Schubart

Ein Künstlerleben zwischen Rokoko und Revolution

Das Leben des schwäbischen Dichters, Musikers und Journalisten Christian Friedrich Daniel Schubart (1739 - 1791) in Musik, Tanz und Schauspiel mit Musik für Pianoforte und Streicher von Johann Schobert, Liedern von Johann Friedrich Reichardt und Schubart, Werken von Mozart u.a. Choreographien zu obiger Musik nach Jean Georges Noverre, inspiriert von Bildern der Maler Johann Heinrich Füssli und Jean Honoré Fragonard Texte aus Schubarts Lebensbeschreibung, der "Deutschen Chronik" und aus seinen Gedichtsammlungen und Briefen Die Besetzung: Hammerflügel, Cembalo, zwei Violinen, Viola und Cello; ein Sänger /Schauspieler; zwei Tänzerinnen, zwei Tänzer Premiere im Oktober 1998 im Rahmen der Konzertreihe des "Forums für alte Musik Freiburg"

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ist geprägt von einem großen gesellschaftlichen Umbruch, der in der künstlerischen Form seismographisch abgebildet ist. Der Bruch mit dem "ancien régime" geht einher mit einer Abkehr von den künstlerischen Traditionen, die Europa seit der Antike geprägt haben. Empfindsamkeit, die Entdeckung der Individualität, Pietismus, Sturm und Drang und die Ideen Rousseaus sind verschiedene Ausprägungen dieses Prozesses. Christian Friedrich Daniel Schubart, 1739 in Obersontheim bei Schwäbisch Hall geboren, 1791 in Stuttgart gestorben, hat die Spannungen dieser Umwälzung wie wenige andere in Deutschland erfahren und im eigenen Leben und Schaffen ausgetragen. Durch seinen Lebensweg wurde er zum Urbild des Stürmers und Drängers und zur Symbolfigur der Freiheitsbewegung in Deutschland. Seiner Generation war die barocke, Kirche und Adel verherrlichende Repräsentationskunst schal geworden. Sie entdeckte das Ich als künstlerische Potenz und Thema des Kunstwerks, entdeckte, daß Kunst nicht das Privileg einer herrschenden Schicht ist, sondern der Menschheit gehört.

Schubart war ein virtuoser Musiker, der jede kompositorische Neuerung feierte und improvisierend jede Gesellschaft unterhalten konnte; er war ein Dichter, der in wenigen Zeilen das Begehren des Volkes, aber auch den Machtmißbrauch und die Greueltaten der Herrschenden darstellen konnte; er war ein vielgelesener Journalist, der in seiner "Deutschen Chronik" für Volksbildung, Aufklärung und Freiheit kämpfte. Schubart konnte tief irren und vorschnell haltlose Meinungen herausschleudern; auch spielte er am Ludwigsburger Hof Herzogs Karl Eugen den dienernden Höfling, der sich amüsierte und leere Lobeshymnen auf die Mächtigen verfaßte. Vor allem führte er ein unstetes Wanderleben, herumgeworfen auf der Suche nach Einkünften, die ihn als Künstler nicht völlig niederdrückten. Er war kein Opportunist und prangerte Mißstände an, wo er sie entdeckte. Zehn Jahre hat er im Kerker auf der Festung Hohenasperg verbracht, sollte so mundtot gemacht und zurechtgestutzt werden - er wurde durch dieses Martyrium zur Berühmtheit.

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